Dienstag, September 06, 2005

Nimby – Not in my backyard

Der Autofahrer an der bundesdeutschen Zapfsäule kommt aus dem Staunen kaum heraus. Die Preise kletterten in den letzen Tagen um zweistellige Centbeträge. Die Folge ließ kaum auf sich warten: Unmut und Wut. Die Politik bemühte sich schnell um Schadensregulierung, es ist halt Wahlkampf, da kann man gerne mal die strategischen Ölreserven locker machen.
Doch die Frage, die sich hier stellen sollte: Bringt das wirklich den erhofften Rückgang der Benzinpreise?
Die Antwort: NEIN!
Aktuellsten Informationen der IEA zufolge ist das ganze hausgemacht. Die USA verbrauchen mehr Benzin, als sie selbst herstellen (Laut NPRA -Dachverband der amerikanischen Petroleumindustrie). Seit 30 Jahren haben die Konzerne in den USA nicht mehr in neue Anlagen investiert, geschweige denn welche gebaut. Den Multis gelingt es einfach nicht mehr irgendwo eine Raffinerie aufzustellen – Bürgerinitiativen verhindern dies erfolgreich. Alles folgt der Parole: Nimby – Not in my backyard.

Diesen verheerenden Umstand, wie auch die Tatsache, dass am Golf von Mexiko das Herz der US-Ölindustrie beheimatet ist (25 % des benötigten Öls werden dort gefördert und fast 50 % des benötigten Benzins werden dort raffiniert. Zudem ist die Küste des Golf von Mexiko die Öl-Verladeregion der USA für ausländisches Rohöl) führte letzte Woche zum Desaster. Der Hurrikan kappte sozusagen die Leitung in den USA.
Seit dem schnellen die Benzinpreise in immer neuere Höhen, und ein Ende schein nicht in Sicht zu sein. Schon decken sich die US-Tankstellengesellschaften auf dem Weltmarkt mit Benzin ein, was im Gegenzug die Preise anziehen lässt.

Wie lange das so noch weitergeht, tja hier ist das Ende der Fahnenstange wohl noch lange nicht erreicht. Die Einschätzungen von Experten rund um den Globus sind eindeutig. Sie sehen den Barrel-Preis in den kommenden Jahren bei 200 bis 250 Dollar. Doch dies ist nicht nur dem Durst der USA nach Öl als Energiequelle geschuldet(die USA verbrauchen aktuell ca. 25 % des weltweit geförderten Öls), Mitverursacher sind auch die Chinesen, deren Hunger nach Öl seit 2000 dramatisch gestiegen ist.

Was bleibt, ist vielleicht darüber nachzudenken, die alte Karre gegen ein sparsameres Auto einzutauschen oder öfter mal das Fahrrad zu nutzen.