Montag, April 18, 2005

Die Winde des Herrn Pruntzelschütz

Was so ein Sonntag doch für Blüten tragen kann, egal ob nun gleich zu sehen oder zu riechen.
Ja, richtig gelesen, riechen.
So ein Sonntag in einer Großstadt kann schon merkwürdige Dinge zum Vorschein bringen, die viele unserer Sinne anspricht. Also, wie gesagt, es war Sonntag, genauer gesagt der Abend. Das Restaurant ist brechend voll. Bei näherem hinsehen erkennt der geübte Zuschauer auch, dass es sich nicht um eine Imbissbude handelt, es ist schon etwas vornehmer – gehobenes Bürgertum eben. Es spielt sich in einem vornehmen Stadtteil der Elbmetropole mit dem See in der Mitte ab.

Zur Linken ein verliebt wirkendes Pärchen, rechts sitzt die vierköpfige Familie und unterhält sich über den gemeinsam verbrachten Sonntag. Und urplötzlich, so aus heiterem Himmel ist ein mittelstarkes Knattern in meiner näheren Umgebung zu vernehmen. Die genauso erstaunt schauenden Gäste blicken sich gegenseitig verwundert an. Noch passiert nichts ungewöhnliches, auf eine doch wirklich dreiste Ohrenattacke, die alle im Lokal versammelten noch nicht recht einzuordnen wissen.
Doch dann, oh je, die ersten Geruchsfetzen ziehen wie Schlechtwetterorkane erst am Tisch nebenan vorbei, um noch dufttragender über unseren Tisch hinweg zufegen.... Ruhe kehrt ein, Stoffservierten werden zum Schutz vor die Nase genommen, die Szenerie erinnert den geneigten Betrachter immer mehr an die Schlacht bei Verdun. Dann platz es aus der jungen Damen neben meinem Tisch heraus. Sie springt auf, wirft ihre Servierte weg, der Stuhl fällt um... Stille....Mit hochrotem Kopf geht auf die schweigende Masse im Lokal ein Wortorkan herab. 20 Sekunden, 30 Sekunden ja 40 Sekunden ohne Luft zu holen vergehen, ehe die doch wirklich zierlich wirkende Junge Frau mit den Worten schließt: „steht hier etwa eine Linde!“.
Mit jedem gesprochenen Wort ist der Geruch im Lokal untertäglicher geworden. Beschämtes Nicken kommt auf, gefolgt von tosendem Applaus. Doch was hat die Frau in den Sekunden über ihre Lippen gelassen, tja das habe ich mitgeschrieben:

Die Winde des Herrn Pruntzelschütz

Das war Herr Pruntz von Pruntzelschütz,
der saß auf seinem Rittersitz,
mit Mannen und Gesinde
inmitten seiner Winde.
Die strichen, wo er ging und stand,
vom Hosenleder übers Land
und dröhnten wie Gewitter-
so konnte das der Ritter!

Zu Augsburg einst, auf dem Turnier,
bestieg er umgekehrt sein Tier,
den Kopf zum Pferdeschwanze
und stürmte ohne Lanze.
Doch kurz vor dem Zusammenprall-
Ein Donnerschlag, ein dumpfer Fall.
Herr Pruntzelschütz mit einem Furze
Den Gegner bracht’ zu Sturze.
Da scholl der Jubel von der Schanz.
Herr Pruntzelschütz erhielt den Kranz.
Der Kaiser grüßte lachend
Und rief: „Epochemachend!“

Ein Jahr darauf.
Herr Pruntzelschütz saß stolz auf seinem Rittersitz
Mit Mannen und Gesinde
inmitten seiner Winde.

Da kam ein Bote, kreidebleich,
und meldete: „Der Feind im Reich!
Das Heer läuft um sein Leben!
Wir müssen uns ergeben!“
Flugs ritt Herr Pruntzelschütz heran
Und ließ aus der Retorte
Der Winde schlimmste Sorte.
Das dröhnte, donnerte und pfiff,
sodass der Feind die Flucht ergriff.
Da schrie das Volk und wollte,
dass er regieren sollte!
Herr Pruntz indes, todesmatt,
sprach: „Gott, der uns geholfen hat,
der möge mich bewahren.“

Darauf ließ er einen fahren.
Der letzte wars, der schwach entfloh,
drauf schloss für immer den Popo
Herr Pruntz, der frumbe Ritter.
Und alle fanden’s bitter.
Er ward begraben und verdarb.
Die Burg zerfiel,
doch wo er starb
steht heute eine Linde.
Da raunen noch die Winde.

(Die Halunkenpostille)

1 Comments:

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Samstag, Mai 29, 2010  

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