Montag, April 18, 2005

Das Goebbels-Experiment

Auf diesen Film habe ich seit der diesjährigen Berlinale-Vorführung ungeduldig gewartet. Nun endlich ist er in Hamburg in die Kinos gekommen. Doch leider nur in wenige, was wirklich schade ist, denn ich bin der Auffassung, diesen Dokumentarfilm sollte sich jeder ansehen.
Zu diesem Urteil bin jedoch erst nach dem heutigen Kinobesuch gekommen.
Wie gesagt heute Morgen 11h ein Kino in Hamburg, es sind kaum Leute gekommen – gerade mal ein knappes Dutzend – mehr nicht. Da frage ich mich, ob das an der Uhrzeit, dem Wetter oder an dem politisch-geschichtlichen Desinteresse unser Landsleute liegt.
Dabei sind doch die Lehren, die uns der humpelnde Doktor aus dem Rheinland (Rheydt) hinterlassen hat heute aktueller als je zuvor. Medien- und Pressepolitik, die Einflussnahme von Politik und Industrie in der Presselandschaft nehmen immer mehr zu. Da brauchen wir uns die auswüchse auf der anderen Seite des Atlantik nur ansehen. Da kann der Bundesbürger schon die Orientierung und die Meßlatte von Wahrheit und Lüge verlieren, die Amerikaner sind da keinen Deut besser dran.
Aber zurück zum Dokumentarfilm: Der Regisseur Dr. Lutz Hachmeister und Autor Michael Kloft zeigein durch die Machart, wie entlarvend die NS-Propaganda-Bilder zusammen mit den Tagebuchpassagen der Goebbels-Aufzeichungen, nüchtern, ja fast schon kühl gelesen von Udo Samel, wirken. An vielen Stellen kann man aus der heutigen Perspektive nur total verständnislos mit dem Kopf schütteln. Das die Menschen damals so sehr von den zwei Polen der aufkeimenden Ideologien eingenommen werden konnten, wurde durch die Doku sehr gut herausgearbeitet. Auch die weiteren Schaffensperioden und die damit einhergehenden Wandlungen des Dr. Goebbels konnte der Zuschauer sehr gut verfolgen.
Bei anderen Passagen glaube ich allerdings, dass es dringen notwendig ist begleitende Erklärungen einzufügen oder aber auf andere Weise den Zuschauer inhaltlich nicht alleine zu lassen. D.h. ohne umfangreiche Grundkenntnisse zum Thema Goebbels ist der Film an vielen Stellen nicht zu verstehen.
Damit meine ich jetzt nicht, dass der potentielle Kinobesucher die Goebbelstagebücher gelesen haben muss, aber Vorkenntnisse seiner Biographie wären absolut hilfreich. Ansonsten können die Bilder an einigen stellen von Zeitgenossen falsch verstanden werden.
Aber trotz dieser Einschränkungen hoffe ich sehr, dass diesen Film viele ansehen werden, es lohnt sich.